28. Aug 2010
............................................................................
Schmerzen gehören nicht zum Erscheinungsbild der Multiplen Sklerose" – diese Meinung ist weit verbreitet, aber leider falsch. Viele MS-Kranke leiden unter Schmerzen. Und dabei ist die Vielfalt der Schmerzen nahezu genauso groß wie die Vielfalt der Symptome. Wie viele Patienten genau davon betroffen sind, lässt sich nicht sagen, da das Schmerzempfinden und -toleranz von Mensch zu Mensch verschieden ist. Manche Studien sprechen von 32 Prozent, andere wiederum von 55 Prozent.
Es können ganz allgemein drei Schmerztypen definiert werden: Schmerzen, die plötzlich auftreten und nur kurz anhaltend wieder verschwinden, so genannte paroxysmale Schmerzen. Über etwas längere Zeiträume bestehend, relativ plötzlich beginnend, so werden die akut bis subakuten Schmerzphänomene bezeichnet. Und zuletzt die chronischen Schmerzen, die über sehr lange Zeit anhalten. Auch bei der Multiplen Sklerose treten Schmerzereignisse aller drei Kategorien auf.
Paroxysmale Schmerzen
Plötzliche Schmerzattacken, die schnell wieder abklingen, erlebt nur jeder zehnte MS-Kranke.
Im Verlauf der Krankheit tritt bei einigen Patienten eine Trigeminusneuralgie auf. Kurze, messerscharf einstechende Schmerzen in einer Gesichtshälfte, die sich ständig wiederholen, prägen das Bild. Diese können von so vernichtendem Charakter sein, dass sie kaum auszuhalten sind. Meist sind Kinn- oder Wangenpartie einer Gesichtshälfte betroffen. Selten kommt es aber auch zu regelrechten Schmerzsalven, die dann eher als Dauerschmerz empfunden werden. Der Trigeminus ist einer der 12 Hirnerven, dessen Ursprungskerngebiet im Hirnstamm liegt. Diese Region ist sehr häufig betroffen, so dass durch Herde in diesem Bereich solche Schmerzen verursacht werden.
Häufig kann das so genannte Lhermitte-Zeichen ausgelöst werden. Zur Provokation wird der Kopf nach vorne gebeugt. Dadurch entsteht ein elektrisierendes Kribbeln, das von der Wirbelsäule ausgehend über die Schultern in die Arme schießt. Es ist eher unangenehm als schmerzhaft. Es wird selten auch bei anderen Erkrankungen gefunden.
Kurze Krämpfe der Muskulatur werden häufig beobachtet. Eine ausgeprägte Form sind die tonischen Hirnstammanfälle. Wie oben beschrieben ist dies ein von Entzündungen bei der MS sehr oft betroffenes Hirnareal. Hier laufen Bahnen entlang, die willkürliche Muskelbewegungen steuern. Durch die Störung kann es zu Fehlleitungen kommen, die zu ungewollten und überschießenden Bewegungen führen. Solche schmerzhaften Krämpfe beginnen meist in einer Hand, breiten sich über Arm, Schulter und auch mal das Bein einer Körperseite aus.
Auch Missempfindungen an Händen und Füßen können mal kurzzeitig auftreten.
Akute und subakute Schmerzen
Im Rahmen der häufig auftretenden Sehnervenentzündungen bestehen auf der entsprechenden Seite häufig Schmerzen hinter dem Augapfel, insbesondere wenn das Auge bewegt oder Druck ausgeübt wird. Dabei klingt der Schmerz meist schneller ab als die Entzündung selbst.
Den oft bestehenden Blasenstörungen pfropft sich immer mal eine Blasenentzündung auf, die mit typischen krampfartigen Schmerzen im Unterleibsbereich verbunden ist. Solche treten aber auch manchmal durch Spasmen der Muskulatur ohne gleichzeitig bestehende Infektion auf.
Chronische Schmerzen
Recht übereinstimmend berichten die Betroffenen, dass es sich meist um chronische Schmerzen handelt, unter denen sie leiden.
Recht oft werden die Patienten ferner durch brennende oder ziehende Missempfindungen in Füßen oder Beinen belastet. Sie werden insbesondere in der Nacht, sowie bei warmen Temperaturen und Wetterumschwüngen verstärkt wahrgenommen. Die Bettdecke wird als unangenehm empfunden. Umlagerung der Gliedmaße macht die Schmerzen erträglicher. Sie lassen sich durch entzündliche Veränderungen des Rückenmarks erklären. Es muss aber immer bedacht werden, dass gerade solche Parästhesien, wie die Missempfindungen in der Fachsprache genannt werden, sehr häufig durch periphere Nervenschädigungen verursacht sind. Die können natürlich bei einem MS-Patienten zusätzlich bestehen.
Häufig berichten MS-Patienten auch über chronische Rückenschmerzen oder chronische Muskelschmerzen insbesondere in den Beinen. Sie sind meist Folge der unnormal, übermäßig starken Anspannung der Muskulatur, der so genannten Spastik und daraus folgenden Fehlbelastungen
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen