Geschreibsl-Archiv

Sonntag, 13. Februar 2011

Hab auch etwas für Dich: erhalten von Marina

 

Das perfekte Herz


Eines Tages stand ein junger Mann mitten in der Stadt und erklärte, dass er das schönste Herz im ganzen Tal habe. Eine große Menschenmenge versammelte sich, und sie alle bewunderten sein Herz, denn es war perfekt. Es gab keinen Fleck oder Fehler in ihm. Ja, sie alle gaben ihm Recht, es war wirklich das schönste Herz, das sie je gesehen hatten. Der junge Mann war sehr stolz und prahlte noch lauter über sein schönes Herz.
Plötzlich tauchte ein alter Mann vor der Menge auf und sagte: “Nun, Dein Herz ist nicht mal annähernd so schön, wie meines.” Die Menschenmenge und der junge Mann schauten das Herz des alten Mannes an. Es schlug kräftig, aber es war voller Narben, es hatte Stellen, wo Stücke entfernt und durch andere ersetzt worden waren. Aber sie passten nicht richtig, und es gab einige ausgefranste Ecken …. genau gesagt …. an einigen Stellen waren tiefe Furchen, wo ganze Teile fehlten. Die Leute starrten ihn an: wie kann er behaupten, sein Herz sei schöner, dachten sie?
Der junge Mann schaute auf des alten Mannes Herz, sah dessen Zustand und lachte: “Du musst scherzen”, sagte er, “dein Herz mit meinem zu vergleichen. Meines ist perfekt und deines ist ein Durcheinander aus Narben und Tränen.”
“Ja”, sagte der alte Mann, “Deines sieht perfekt aus, aber ich würde niemals mit Dir tauschen. Jede Narbe steht für einen Menschen, dem ich meine Liebe gegeben habe. Ich reiße ein Stück meines Herzens heraus und reiche es ihnen, und oft geben sie mir ein Stück ihres Herzens, das in die leere Stelle meines Herzens passt. Aber weil die Stücke nicht genau sind, habe ich einige raue Kanten, die ich sehr schätze, denn sie erinnern mich an die Liebe, die wir teilten.
Manchmal habe ich auch ein Stück meines Herzens gegeben, ohne dass mir der andere ein Stück seines Herzens zurückgegeben hat. Das sind die leeren Furchen. Liebe geben heißt manchmal ein Risiko einzugehen. Auch wenn diese Furchen schmerzhaft sind, bleiben sie offen und auch sie erinnern mich an die Liebe, die ich für diese Menschen empfinde …. und ich hoffe, dass sie eines Tages zurückkehren und den Platz ausfüllen werden. Erkennst du jetzt, was wahre Schönheit ist?”
Der junge Mann stand still da und Tränen rannen über seine Wangen. Er ging auf den alten Mann zu, griff nach seinem perfekten jungen und schönen Herzen und riss ein Stück heraus. Er bot es dem alten Mann mit zitternden Händen an. Der alte Mann nahm das Angebot an, und setzte es in sein Herz. Er nahm dann ein Stück seines alten vernarbten Herzens und füllte damit die Wunde in des jungen Mannes Herz. Es passte nicht perfekt, da es einige ausgefranste Ränder hatte. Der junge Mann sah sein Herz an, nicht mehr perfekt, aber schöner als je zuvor, denn er spürte die Liebe des alten Mannes in sein Herz fließen. Sie umarmten sich und gingen gemeinsam weg - Seite an Seite.

5 Kommentare:

  1. Lieber Ralf,

    jetzt hast Du es bei Dir verewigt!!!
    Ich danke Dir fürs Teilen ;-)))
    Ja, da ist was dran !

    Dicker Knuddler
    Marina

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  2. ganz im gegenteil, ich muss dir danken dass du sie mir geschickt hast... dickes fettes danke dafür und nen mega lieben knuddler

    schön dass es dich gibt

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  3. Lieber Ralf,
    es tut mir leid, das ich deinen Kommetar auf meinem Blog erst jetzt, so spät, entdeckt habe.
    Vielen Dank dafür.
    Leider geht hier auf Blogspot nicht alles so übersichtlich zu wie auf dem alten Myspace, schadeschade :-(
    Du führst hier aber auch einen sehr netten Blog, jetzt wo ichs weiß werde ich bestimmt auch wieder öfter bei dir lesen.
    Wünsche dir ein schönes Wochenende.
    Grüße
    R.Sturm

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  4. Wirklich schön flüsig zu lesen! Und inhaltlich top, ein sehr mitnehmendes Gleichnis. Man muss nicht äußerlich perfekt sein. Und alles was man erlebt hat, hat einem zu dem Menschen gemacht der man ist. Erfahrungen und Erlebnisse die zu schätzen sind.

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  5. Lieber Ralf,

    ich möchte Dir noch etwas schenken...

    ich fand es total goldig!


    Lies mal:

    Eine Frage der Blickrichtung

    Sherlock Holmes und Doktor Watson gingen zusammen zum Campen. Sie verbrachten einen wundervollen Tag in der freien Natur und wanderten durch die hügelreiche Landschaft.
    Als es dämmerte errichteten sie ihr Zelt. Nachdem sie ein köstliches Mahl zubereitet und aufgegessen hatten, fielen sie beide müde in den Schlaf.
    Sehr früh in der Nacht wachte Holmes auf, grunzte etwas und weckte seinen Assistenten mit einem leichten Stoß in die Rippen.
    “Watson” sagte er. “Öffne schnell die Augen und schau hinauf zum Himmel. Was siehst du?”
    Watson erwachte schlaftrunken.
    “Ich sehe Sterne, Holmes.” antwortete er. “Unendlich viele Sterne.”
    “Und was sagt dir das, Watson?” fragte Holmes.
    Watson dachte für einen Augenblick nach.
    “Tja Holmes, das sagt mir, dass dort draußen ungezählte Sterne und Galaxien sind und wahrscheinlich Milliarden von Planeten. Ich nehme deshalb an, dass doch eine ganze Menge gegen die Theorie spricht, dass wir allein im Universum sind. Ich schau hinauf in den Himmel und fühle mich demütig angesichts dieser unendlichen Weiten. Und was sagt es dir?”
    “Watson, du bist ein Narr!” rief da Holmes.
    “Mir sagt es, dass jemand unser Zelt gestohlen hat!”

    Stimmt,
    eine Frage des Blickwinkels...

    und so geht es doch ganz oft!!

    Bis bald
    Marina

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